Vom Kindertraum zur Berufung- mein Weg in die Pflege

Was wolltest im Alter von fünf Jahren einmal werden?

Eine dieser Fragen, die einfach klingen, aber oft mehr über uns erzählen, als wir zunächst denken. Ehrlich gesagt kann ich mich gar nicht mehr ganz genau daran erinnern, was mein ganz konkreter Traumberuf mit fünf Jahren war. Aber wenn ich in meine Erinnerungen hineinhöre, sehe ich mich ziemlich deutlich: allein in meinem Zimmer, eine Haarbürste als Mikrofon in der Hand, laut singend und überzeugt davon, dass ich eines Tages auf einer großen Bühne stehen würde. Sängerin also, das war wohl mein erster großer Traum.
Heute muss ich darüber ein wenig schmunzeln. Nicht, weil Träume lächerlich wären, ganz im Gegenteil. Sondern weil das Leben manchmal andere Wege für uns bereithält, als wir sie uns als Kinder ausmalen. Und weil ich inzwischen weiß, dass nicht jeder, der gern singt, automatisch ein Singvogel ist. Manche von uns sind vielleicht eher… sagen wir: charaktervolle Krähen.
Aus diesem Traum ist also nichts geworden. Kein Applaus, keine Bühne, kein Rampenlicht. Stattdessen kam das Leben, ganz leise, ganz unspektakulär dazwischen.
Nach der Schule stand ich wie viele andere junge Menschen vor der großen Frage: „Und jetzt?“ Ich hatte keine klare Vision, keinen Plan, keine innere Stimme, die mir sagte: Das ist dein Weg. Also tat ich das, was viele tun: Ich entschied mich für eine Ausbildung, nicht unbedingt aus Leidenschaft, sondern eher, um überhaupt etwas zu machen. Um nicht stehen zu bleiben. Um weiterzugehen, auch wenn ich nicht genau wusste, wohin.
Es war kein schlechter Weg, aber auch keiner, der mich wirklich erfüllt hat. Ich funktionierte, ich machte meine Aufgaben, ich ging meinen Alltag, doch irgendwo tief in mir war da dieses Gefühl, dass da noch mehr sein müsste. Etwas, das mich berührt. Etwas, das Sinn ergibt.
Und dann kam der zweite Anlauf.
Ich entschied mich, in die Pflege zu gehen. Altenpflege, um genau zu sein. Eine Entscheidung, die damals vielleicht nicht wie ein großer Traum wirkte, sondern eher wie ein neuer Versuch. Ein neuer Weg. Vielleicht sogar ein bisschen wie ein „Mal sehen, was passiert“.
Wenn ich heute darauf zurückblicke, kann ich sagen: Es war eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens.
Ob die Pflege jemals mein klassischer „Traumberuf“ war? Wahrscheinlich nicht. Ich bin nicht mit dem Gedanken aufgewachsen: Ich will unbedingt Altenpflegerin werden. Es war kein Kindheitstraum wie die Bühne oder das Singen. Und doch ist es etwas geworden, das viel tiefer geht als ein Traum.
Denn Träume sind oft schön, aber sie sind nicht immer real. Die Pflege hingegen ist real. Direkt. Ungefiltert. Man kann sich nicht verstecken. Man wird gebraucht. Und genau das verändert einen.
Die Arbeit mit alten und kranken Menschen hat mich auf eine Weise geprägt, wie ich es mir früher niemals hätte vorstellen können. Sie hat mir Dinge gezeigt, die man nicht in Büchern lernt. Dinge, die man nicht googeln kann. Dinge, die man nur versteht, wenn man sie erlebt.
Vor allem hat sie mir eines sehr deutlich gemacht: Unsere Zeit ist nicht unendlich.
Das klingt vielleicht banal, fast wie ein Spruch, den man schon tausendmal gehört hat. Aber in der Pflege bekommt dieser Satz ein Gesicht. Jeden Tag. In jeder Begegnung. In jedem Abschied.
Ich habe Menschen kennengelernt, die ein ganzes Leben hinter sich haben. Menschen mit Geschichten, mit Erinnerungen, mit Erfahrungen, die tiefer gehen als alles, was ich bis dahin kannte. Und ich habe gesehen, wie dieses Leben langsam zu Ende geht. Nicht plötzlich, nicht dramatisch, sondern oft ganz leise.
Das verändert den Blick auf das eigene Leben.
Plötzlich werden Dinge, die einem früher unglaublich wichtig erschienen, kleiner. Ärger, Stress, Alltagsprobleme, sie verlieren an Gewicht. Nicht, weil sie unwichtig sind, sondern weil man versteht, dass es am Ende auf etwas anderes ankommt.
Auf Zeit. Auf Nähe. Auf Menschlichkeit.
Die Pflege hat mir gezeigt, wie wertvoll ein einfaches Gespräch sein kann. Wie wichtig ein Lächeln ist. Wie viel ein Mensch braucht, um sich gesehen und verstanden zu fühlen und wie wenig es manchmal dafür braucht.
Ich habe gelernt, zuzuhören. Wirklich zuzuhören. Nicht nur mit den Ohren, sondern mit dem Herzen.
Ich habe gelernt, geduldig zu sein. Auch dann, wenn es schwerfällt. Auch dann, wenn man müde ist. Auch dann, wenn der Alltag einen überrollt.
Ich habe gelernt, Verantwortung zu tragen,  nicht nur für Aufgaben, sondern für Menschen.
Und ich habe gelernt, mit Leid umzugehen.
Das ist wahrscheinlich einer der schwierigsten Aspekte dieses Berufs. Das Leid der Menschen zu sehen, mitzuerleben, manchmal auch mitzutragen. Es gibt Tage, die sind schwer. Tage, an denen man nach Hause geht und das Gefühl hat, dass das Herz ein bisschen schwerer ist als am Morgen.
Aber genau dieses Leid hat mir auch etwas gegeben, das ich vorher nicht hatte: Erkenntnis.
Ich habe durch das Leid anderer Menschen viel über mich selbst gelernt.
Ich habe gelernt, was wirklich zählt. Ich habe gelernt, wo meine Grenzen sind und dass es okay ist, diese zu haben. Ich habe gelernt, dass Stärke nicht bedeutet, immer stark zu sein, sondern auch, sich berühren zu lassen.
Und ich habe gelernt, dass es eine besondere Form von Schönheit gibt, eine, die nichts mit Perfektion zu tun hat.
Es ist die Schönheit in kleinen Momenten:
Wenn jemand deine Hand drückt.
Wenn ein Mensch dich anschaut und dankbar ist.
Wenn du merkst, dass du gerade einen Unterschied machst, auch wenn er noch so klein ist.
Die Pflege ist kein leichter Beruf. Sie ist anstrengend, körperlich wie emotional. Sie fordert viel, oft mehr, als man erwartet. Und sie wird nicht immer so wertgeschätzt, wie sie es verdient hätte.
Aber sie gibt auch unglaublich viel zurück.
Nicht in Form von Applaus oder Anerkennung im klassischen Sinne. Sondern in Form von Begegnungen. Erfahrungen. Wachstum.
Wenn ich heute gefragt werde, ob ich meinen Weg bereue, kann ich mit voller Überzeugung sagen: Nein.
Auch wenn es nicht der Traum aus meiner Kindheit war. Auch wenn ich keine Sängerin geworden bin und keine Bühne erobert habe.
Ich habe etwas anderes gefunden.
Etwas Echtes.
Etwas, das mich verändert hat.
Etwas, das mich wachsen lässt, jeden Tag ein Stück mehr.
Vielleicht ist das am Ende viel wertvoller als jeder Kindheitstraum.
Denn Träume sind oft das, was wir uns vorstellen. Aber das Leben zeigt uns manchmal, was wirklich zu uns passt.
Und manchmal finden wir unseren Platz nicht dort, wo wir ihn gesucht haben, sondern dort, wo wir gebraucht werden.
Ich bin Altenpflegerin geworden. Nicht, weil es mein großer Traum war. Sondern weil ich den Mut hatte, einen zweiten Weg zu gehen.
Und heute kann ich sagen: Es war genau der richtige.

Vom Traumhaus und einem Schneckenhaus

Manchmal beginnt etwas ganz Großes mit etwas ganz Kleinem.

Mit einer Idee.
Mit einem Gefühl.
Oder mit einem Fund, der eigentlich unscheinbar wirkt und doch so viel in Bewegung bringt.

Gestern war so ein Moment.

Ich habe ein Schneckenhaus gefunden.

Ein ganz kleines.
Leer.
Verlassen.

Und natürlich war mir eines sofort wichtig:

Ich vertreibe keine Schnecke aus ihrem Zuhause.

Schon gar nicht in Zeiten wie diesen.

Die Immobiliensuche ist schließlich nicht nur für uns Menschen schwierig geworden.

Also lag es da.

Still.
Leicht.
Und irgendwie perfekt.

Ich habe es in die Hand genommen und sofort gemerkt:

Das ist nicht einfach nur ein Schneckenhaus.

Das ist ein kleines Zuhause.

Und plötzlich war da dieser Gedanke.

Ganz leise.
Und gleichzeitig ganz klar:

„Hier könnte jemand wohnen.“

Vielleicht muss man dafür ein bisschen verrückt sein.

Oder fantasievoll.

Oder einfach jemand, der noch an kleine Geschichten glaubt.

Denn wenn ich ehrlich bin, hatte ich diesen Traum schon immer.

Ein eigenes Haus.

Am liebsten irgendwo im Wald.

Mit einem Garten.

Ein Ort, an dem man sich selbst versorgen kann.
An dem alles ein bisschen ruhiger ist.
Ein bisschen echter.

Ein Ort, an dem man ankommt.

Schon als Kind hatte ich dieses Bild im Kopf.

Ein kleines Haus.
Natur.
Freiheit.

Und dann wird man erwachsen.

Und merkt:

So einfach ist das alles nicht.

Die Realität sieht anders aus.

Häuser sind teuer.
Grundstücke selten.
Und das Leben… läuft einfach weiter.

Mit Verpflichtungen.
Mit Alltag.
Mit all den Dingen, die dazugehören.

Aber vielleicht verschwinden Träume nicht.

Vielleicht verändern sie sich nur.

Vielleicht werden sie kleiner.

Oder kreativer.

Und genau so wurde aus meinem Traumhaus…

ein Schneckenhaus.

Ich habe mich hingesetzt.

In meiner Küche.

An meinem einzigen freien Tag der Woche.

Zwischen Haushalt.
Zwischen „Ich müsste eigentlich noch…“
Und dem Versuch, einfach mal kurz durchzuatmen.

Denn ehrlich gesagt:

Ich hatte das Bedürfnis, mich ein bisschen zurückzuziehen.

Von Menschen.

Von Geräuschen.

Von allem, was gerade ein bisschen zu viel ist.

Und dann lag es da.

Dieses kleine Schneckenhaus.

Und plötzlich wurde alles leiser.

Ich begann zu basteln.

Ganz ohne Plan.

Einfach aus dem Gefühl heraus.

Mit kleinen Materialien.
Mit Ideen, die einfach entstanden sind.

Und während meine Hände beschäftigt waren, wurde auch mein Kopf ruhiger.

Ich habe Wege gebaut.

Einen kleinen Eingang gestaltet.

Ein kleines Zuhause entstehen lassen.

Für jemanden, den es vielleicht noch gar nicht gibt.

Oder vielleicht doch.

Herr Schneck.

So habe ich ihn genannt.

Und natürlich bleibt er nicht allein.

Er hat eine Familie.

Ein Leben.

Ein Zuhause.

Und dieses Zuhause ist jetzt… mein kleines Schneckenhaus.

Natürlich wird es vermietet.

Aber keine Sorge:

Kostenlos.

Ich bin ja kein Unmensch.

Und während ich da saß und gebastelt habe, ist mir etwas aufgefallen.

Wie viel in meinem Kopf passiert.

Wie viele Gedanken kommen und gehen.

Wie schnell sich aus einem kleinen Gegenstand eine ganze Welt entwickeln kann.

Denn für mich ist das mehr als Basteln.

Es ist ein Ausgleich.

Ein Rückzugsort.

Ein kleiner Moment, in dem ich einfach nur bin.

Gerade in einer Zeit, in der so viel gleichzeitig passiert.

Im Kopf.
Im Körper.
Im Alltag.

Das Schneckenhaus wurde zu einem Symbol.

Für meinen eigenen Wunsch nach Ruhe.

Nach einem Ort, an dem ich einfach sein kann.

Und vielleicht ist das genau das, was wir alle manchmal brauchen.

Kein großes Haus im Wald.

Kein perfektes Leben.

Sondern kleine Momente.

Kleine Räume.

Kleine Geschichten.

Aus diesem Schneckenhaus wird eine Geschichte entstehen.

Das weiß ich jetzt schon.

Eine von denen, die leicht sind.

Die ein bisschen Magie in sich tragen.

Die den Alltag für einen Moment vergessen lassen.

Und genau das ist mir wichtig.

Denn die Welt da draußen ist oft laut genug.

Schnell genug.

Und manchmal auch schwer genug.

Ich möchte etwas anderes schaffen.

Mit meinen Geschichten.

Mit meinen Bildern.

Mit Lulu, Tilda und Bruno.

Mit all den kleinen Figuren, die in meiner Welt leben.

Geschichten, die verbinden.

Die ein kleines Lächeln bringen.

Die zeigen, dass es auch anders geht.

Für Kinder.

Und für Erwachsene.

Für alle, die sich ein Stück Fantasie bewahren möchten.

Und vielleicht ist genau das mein Weg.

Mit all dem umzugehen, was gerade ist.

Nicht alles zu schwer zu nehmen.

Sondern es umzuwandeln.

In etwas Schönes.

In etwas Leichtes.

Während ich also in meiner Küche saß, zwischen Wäsche, Gedanken und diesem kleinen Schneckenhaus, habe ich gemerkt:

Manchmal braucht es gar nicht viel.

Kein großes Projekt.

Kein perfektes Ergebnis.

Manchmal reicht ein kleines Schneckenhaus.

Und die Idee, daraus ein Zuhause zu machen.

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel, beobachtet mich dabei, wie ich Herrn Schneck einziehe, und denkt sich schmunzelnd:

„Manche bauen Häuser… und manche bauen kleine Welten.“

Und vielleicht ist genau das… genug.

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Freitagmorgen

Die Welt draußen tut so, als hätte sie alles im Griff, Menschen hetzen zur Bahn, Autos rauschen vorbei, irgendwo bellt ein Hund motiviert ins Nichts. Und ich? Ich sitze auf meiner Couch.

Mit meinem ersten Kaffee.

Und meinem zweiten.

Und meiner Couch.

Vor allem meiner Couch.

Wir haben inzwischen eine Beziehung aufgebaut, die man nicht einfach so ignoriert. Andere nennen es Möbelstück, ich nenne es Seelenverwandte. Sie kennt mich in allen Zuständen: verschlafen, zerzaust, leicht koffeiniert und jetzt gerade… schwer bewegungsunwillig.

„Du musst los“, sagt mein Verstand.

„Bleib einfach hier“, sagt die Couch. Und sie sagt es überzeugend. Sehr überzeugend.

Ich nehme noch einen Schluck Kaffee und überlege kurz, ob es gesellschaftlich akzeptabel wäre, einfach hier wohnen zu bleiben. Für immer. Mit gelegentlichen Lieferdiensten als soziales Highlight.

Aber nein. Es ist Freitag. FREITAG! Der Tag, an dem man sich denkt: „Nur noch heute, dann Wochenende!“

…wobei… Moment mal.

Ich muss ja arbeiten.

Und dann, als wäre das nicht schon genug Verrat am Lebenswillen, kommt diese Zeitumstellung um die Ecke. Irgendjemand hat beschlossen, dass es eine fantastische Idee ist, uns allen einfach eine Stunde zu klauen.

Eine. Ganze. Stunde.

Als ob ich die übrig hätte!

Die Couch versteht das übrigens auch nicht. Sie hat mich heute Morgen extra ein bisschen fester „festgehalten“. Aus Solidarität. Oder Besitzanspruch. Man weiß es nicht genau.

Ich stehe schließlich auf. Schweren Herzens. Die Couch lässt mich gehen, aber ich schwöre, sie wirkt enttäuscht.

„Heute Abend“, flüstere ich ihr zu.

Und sie weiß genau, dass ich es ernst meine.

Denn egal, wie sehr Freitag mich verarscht,
am Ende lande ich wieder genau da, wo ich hingehöre:

Auf meiner Couch.
Mit mindestens zwei Kaffee.
Und dem festen Vorsatz, mich nie wieder zu bewegen.

Hängt eure Couch auch so an euch?

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Wer bin ich eigentlich

Wer bin ich eigentlich?

Vielleicht ist diese Frage gar nicht nur meine.

Vielleicht ist sie unsere.

Meine und die meiner Tochter.

Denn wenn ich im Moment auf unser Leben schaue, dann sehe ich zwei Menschen, die sich gleichzeitig verändern.
Die ähnliche Gefühle durchleben und doch könnten diese unterschiedlicher kaum sein.

Bei mir ist es ein leiser, manchmal chaotischer Umbau.
Ein inneres Hochspannungswerk, das nicht immer so funktioniert wie früher.

Bei ihr ist es ein Aufbruch.
Ein Sturm aus Gefühlen, Gedanken und neuen Wegen.

Und irgendwo zwischen uns beiden passiert gerade ganz viel.

Manchmal gleichzeitig.
Manchmal gegensätzlich.

Aber immer… spürbar.


Ich habe viele Jahre damit verbracht, darüber nachzudenken, wer ich eigentlich bin.

Was mich ausmacht.
Und vielleicht noch viel mehr:

Wer ich für andere sein sollte.

Ich habe versucht, es allen recht zu machen.

Zuzuhören.
Dazusein.
Mich anzupassen.

Nicht aufzufallen.
Nicht anzuecken.
Einfach „richtig“ zu sein.

So, wie man es gelernt hat.

Denn so sind wir aufgewachsen.

Man hat gegrüßt.
Man hat sich benommen.
Man war respektvoll.

Und vor allem:

Man hat darauf geachtet, was andere denken.

Die Meinung der anderen hatte Gewicht.

Sie war wichtig.
Fast wichtiger als die eigene.

Und ohne es bewusst zu merken, hat man sein Leben danach ausgerichtet.


Was aber nie wirklich Raum hatte, waren die leisen Dinge.

Die persönlichen.

Die körperlichen.

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass meine Mutter jemals gesagt hat:

„Ich bin in den Wechseljahren.“

Es wurde nicht benannt.

Nicht erklärt.

Nicht geteilt.

Sie war vielleicht genervt.
Oder müde.
Oder sie hat geschwitzt.

Aber es war einfach… da.

Ohne Worte.

Und so habe ich als Kind etwas gelernt, ohne dass es jemand ausgesprochen hat:

Darüber spricht man nicht.

Das ist etwas, das man mit sich selbst ausmacht.

Still.
Leise.
Für sich.


Und vielleicht hat mich genau das lange begleitet.

Dieses Gefühl, Dinge aushalten zu müssen, ohne sie wirklich zu verstehen.

Ohne sie zu teilen.

Bis ich irgendwann gemerkt habe:

So möchte ich das nicht weitergeben.


Als ich älter wurde und vielleicht auch ein bisschen reifer habe ich angefangen, Dinge zu verändern.

Ganz leise.

Ich habe begonnen, Menschen aus meinem Leben auszusortieren.

Ohne großes Drama.
Ohne schlechtes Gewissen.

Einfach, weil es sich nicht mehr richtig angefühlt hat.

Und ja…

Es sind nicht mehr viele übrig geblieben.

Aber die, die geblieben sind, fühlen sich echt an.

Ehrlich.
Ruhig.
Vertraut.


Heute ist mir nicht mehr wichtig, was andere über mich denken.

Nicht in dem Maß, wie es früher war.

Denn ich habe verstanden:

Es ist mein Leben.

Und ich muss mich darin wohlfühlen.

Nicht die anderen.

Das bedeutet nicht, dass mir alles egal ist.

Respekt ist mir wichtig.
Werte auch.

Aber ich habe aufgehört, mich zu verbiegen.

Nicht mehr kleiner machen.
Nicht mehr anpassen, nur um irgendwo dazuzugehören.

Denn am Ende bin ich diejenige, die dieses Leben lebt.

Mit allem, was dazugehört.


Und genau das versuche ich meiner Tochter mitzugeben.

Dass sie sprechen darf.

Über alles.

Über ihren Körper.
Über ihre Gefühle.
Über das, was sich verändert.

Dass sie nicht still schweigen muss.

Nicht aushalten muss, ohne zu verstehen.

Ich möchte, dass sie ihren Körper kennenlernt.

Dass sie lernt, auf sich zu hören.

Auf ihr Bauchgefühl.

Denn ich glaube, das ist eines der wichtigsten Dinge im Leben:

Sich selbst zu vertrauen.


Natürlich knallt es bei uns auch.

Unsere Hormone spielen oft Pingpong.

Mal fliegt der Ball von mir zu ihr.
Mal von ihr zurück zu mir.

Und manchmal landen wir beide gleichzeitig im Aus.

Ein falscher Satz.
Ein falscher Moment.

Und plötzlich stehen wir uns gegenüber, obwohl wir eigentlich auf derselben Seite stehen.

Aber auch das gehört dazu.

Denn während sie lernt, ihren eigenen Weg zu gehen, lerne ich, meinen neu zu definieren.


Vor knapp einem Jahr habe ich angefangen zu schreiben.

Geschichten.

Und ich habe begonnen, Fotos mit meinen kleinen Mäusen zu machen.

Lulu, Tilda und Bruno.

Und ich hätte nie gedacht, wie viel das in mir verändern würde.

Denn diese kleinen Figuren sind mehr als nur Figuren.

In ihnen steckt ein Teil von mir.

Lulu ist die Mutige.
Die, die keine Angst hat und alles wissen will.

Tilda ist die Nachdenkliche.
Die, die hinterfragt und trotzdem weitergeht.

Und Bruno…

Bruno ist der Weise.

Er sieht die Dinge mit Ruhe.
Mit Klarheit.
Und hat immer einen Gedanken, der alles ein bisschen leichter macht.


In meinen Geschichten finde ich mich wieder.

Zwischen Fantasie und Alltag.

Zwischen Chaos und Ruhe.

Zwischen all den Veränderungen, die mich gerade durchrütteln.

Das Schreiben ist für mich mehr geworden als nur ein Hobby.

Es ist ein Weg.

Ein Weg, Dinge zu verarbeiten.
Ein Weg, mich selbst zu verstehen.

Und vielleicht auch ein Weg, dem Alltag etwas Leichtigkeit zu geben.


Denn die Welt da draußen ist oft schon laut genug.

Negativ genug.

Schnell genug.

Und ich habe für mich entschieden:

Ich möchte dem etwas entgegensetzen.

Mit meinen Geschichten.

Mit meinen Bildern.

Mit kleinen Momenten, die zeigen:

Es darf auch leicht sein.

Es darf auch ruhig sein.

Es darf auch schön sein.


Meine Geschichten sind nicht nur für mich.

Sie sind für jung und alt.

Für alle, die sich irgendwo wiederfinden.

Für alle, die manchmal einfach einen kleinen Moment brauchen, um durchzuatmen.


Und vielleicht ist genau das meine Antwort auf die Frage:

Wer bin ich eigentlich?

Ich bin jemand, der sich verändert.

Der gelernt hat, loszulassen.

Der gelernt hat, hinzuhören.

Und der immer noch dabei ist, sich selbst zu entdecken.

Ich bin nicht mehr die, die ich einmal war.

Aber ich bin auch nicht verloren.

Ich bin einfach…

unterwegs.


Vielleicht bin ich ein bisschen Lulu.

Ein bisschen Tilda.

Und ein bisschen Bruno.

Und vielleicht bin ich genau deshalb ich.

Nicht perfekt.
Nicht fertig.

Aber echt.

Und genau das…

reicht.

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ICH

Wer ist die selbstbewussteste Person, die du kennst?

Ich würde sagen, dass Selbstbewusstsein nichts ist, womit man einfach geboren wird, es entsteht oft durch Erfahrungen, durch Herausforderungen und durch das, was man im Leben durchstehen musste. Für mich persönlich ist Selbstbewusstsein kein Zufall, sondern etwas, das ich mir hart erarbeitet habe.

Ich habe mich durchs Leben gekämpft, bin an meine Grenzen gestoßen und habe gelernt, immer wieder aufzustehen. Genau das hat mich stark gemacht. Mit der Zeit habe ich aufgehört, mich ständig danach zu richten, was andere über mich denken. Heute weiß ich: Die Meinung anderer definiert mich nicht.

Vielleicht bin ich deshalb so selbstbewusst geworden, nicht, weil alles leicht war, sondern weil es oft schwer war. Und genau darin liegt meine Stärke.

Menschen mit meinem Lächeln Wärme zu schenken

Was ist eine geheime Fertigkeit oder Fähigkeit, die du besitzt oder gerne besitzen würdest?

Ein Lächeln kann mehr bewirken, als wir oft glauben. Es kostet nichts, aber schenkt so viel, Nähe, Vertrauen und manchmal genau die Wärme, die jemand gerade braucht. Meine „geheime Fähigkeit“ ist es, mit kleinen Gesten große Gefühle zu berühren. Wenn ich es schaffe, auch nur einem Menschen den Tag ein Stück heller zu machen, dann hat sich mein eigenes Lächeln schon gelohnt.

Diese Hormone

Wenn Hormone auf Hormone treffen

Manchmal habe ich das Gefühl, meine Tochter und ich sind uns so ähnlich.

Wir lachen über die gleichen Dinge.
Haben denselben Humor.
Verstehen uns oft sogar ohne viele Worte.

Wir sind wie eine gemeinsame Basis.

Wie zwei Seiten eines Ganzen.

Und doch gibt es Momente, in denen wir plötzlich in schwarz und weiß aufgeteilt sind.

Als würden wir uns gegenüberstehen,
obwohl wir eigentlich zusammengehören.

Manchmal reicht dafür schon ein kleiner Moment.

Ein falscher Ton.
Ein Gedanke, der quer sitzt.

Und ich merke, wie ich aus dem Nichts heraus genervt bin.

Ohne wirklichen Grund.
Einfach da.


Es gibt Tage, da weiß ich schon auf dem Heimweg:

Heute möchte ich einfach nur nach Hause.
Die Tür hinter mir schließen.
Ruhe.

Keine Gespräche.
Keine Geräusche.
Am besten ist alles leise.

Denn plötzlich ist Lautstärke nicht mehr nur Lautstärke.

Sie ist anstrengend.
Sie ist zu viel.
Sie ist wie ein kleines Echo im Kopf, das sich nicht mehr so leicht abschalten lässt.

Mein kleines Hochspannungswerk hat dann schon genug gearbeitet für diesen Tag.

Und genau in diesen Momenten wartet zu Hause mein pubertierender Gegenpart.

Mit einer ganz eigenen Energie.

YouTube Shorts laufen in Dauerschleife.
Ein Video nach dem anderen.
Geräusche, Musik, Stimmen, alles gleichzeitig.

Und während ich innerlich denke:
„Bitte einfach nur leise…“

beginnt dort gerade erst der Tag.

Denn in ihrem Kopf drehen sich die Windkrafträder auf Hochtouren.

Mit voller Energie.

Und mit einer ganz eigenen Dynamik.

Kleinigkeiten werden plötzlich groß.
Ein falsches Wort und schon kippt die Stimmung.

Und irgendwo zwischen „Ich will meine Ruhe“ und „Ich hab jetzt aber keine Lust“ treffen sie aufeinander:

Hormone.

Gegen Hormone.

Es ist ein bisschen wie bei Bibi und Tina.

Mädchen gegen Jungs.

Nur dass es diesmal nicht um ein Wettrennen geht,
sondern um Stimmung.

Oder vielleicht eher wie beim Badminton.

Die Laune wird hin und her gespielt.

Ein Satz fliegt rüber.
Der nächste kommt zurück.
Und manchmal geht das so lange, bis einer einfach aufgibt.

Nicht, weil er gewonnen hat.

Sondern weil es sonst in einem endlosen Streit landen würde.

Und irgendwo mittendrin stehe ich.

Zwischen dem Wunsch nach Ruhe
und dem ganz normalen Teenagerchaos.

Und ja… manchmal muss man beim Lernen auch ein bisschen kreativ werden.

Sagen wir es mal so:

Liebevolle „Erpressung“ gehört hin und wieder einfach dazu.

Ein kleiner Deal.
Ein kleiner Anreiz.

Und plötzlich geht es dann doch.

Zumindest ein bisschen.

Wenn ich darüber nachdenke, ist es eigentlich faszinierend.

Zwei Lebensphasen.

Zwei völlig unterschiedliche innere Welten.

Und beide gleichzeitig im selben Haus.

Die eine möchte leiser werden.

Die andere wird gerade erst laut.

Die eine sucht Ruhe.

Die andere probiert sich aus.

Und vielleicht ist genau das das Besondere an dieser Zeit.

Dass sie nicht immer harmonisch ist.

Aber dafür echt.

Und lebendig.

Und manchmal, wenn man es mit ein bisschen Abstand betrachtet, sogar ein kleines bisschen lustig.

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf dem Sofa, beobachtet dieses Hin und Her und denkt sich schmunzelnd:

„Wenn Hormone auf Hormone treffen, wird es nie langweilig.“

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Wenn Pickelpatches auf Hyaluron treffen

Manchmal merkt man erst im Alltag, wie nah sich zwei völlig unterschiedliche Lebensphasen eigentlich kommen können. Auf der einen Seite die Pubertät, voller Veränderungen, neuer Routinen und kleiner Hautdramen. Auf der anderen Seite die Wechseljahre, ebenfalls eine Zeit des Umbruchs, nur mit ganz eigenen Themen und Herausforderungen. Und irgendwo dazwischen steht man plötzlich gemeinsam im Bad, teilt sich den Spiegel und stellt fest: Die eine kämpft gegen Pickel, die andere gegen Fältchen. Zwei Generationen, zwei Körper im Wandel und doch überraschend viele Parallelen. Genau aus diesem Spannungsfeld entsteht dieser kleine Einblick in einen ganz normalen, leicht chaotischen Familienalltag.

Es gibt Tage, an denen man das Gefühl hat, dass im eigenen Zuhause zwei völlig unterschiedliche Welten aufeinandertreffen.

Da ist zum einen die Mama.

Sie kommt nach der Arbeit nach Hause, versucht noch schnell den Haushalt so gut wie möglich zu schmeißen, räumt auf, sortiert Dinge, denkt nebenbei noch an Hausaufgaben, Vokabeln und daran, ob morgen vielleicht ein Test ansteht.

Multitasking nennt man das wohl.

Oder auch: ganz normaler Familienalltag.

Und wenn dann endlich alles halbwegs aufgeräumt aussieht, die Küche wieder einigermaßen Ordnung hat und man sich denkt: „So, jetzt sieht es doch ganz gut aus“ …

… dann fällt der Blick auf das Teenagerzimmer.

Doch dort ist Aufräumen eine sehr besondere Sache.

Nicht etwa, weil es nicht versucht wird.

Nein.

Es liegt vielmehr daran, dass man dort irgendwann an einen Punkt kommt, an dem man merkt:

Mehr geht einfach nicht.

Der Platz ist ausgeschöpft.

Die Dinge haben sich so kreativ verteilt, dass selbst ein kleines Wichtelteam vermutlich mehrere Tage brauchen würde, um wieder Ordnung hineinzubringen.

Also beschränkt man sich als Mama auf den Rest der Wohnung.

Doch auch dort zeigt sich schnell, dass Teenager eine erstaunliche Fähigkeit besitzen:

Ihre Dinge tauchen überall auf.

Klamotten auf dem Sofa.
Klamotten auf dem Stuhl.
Klamotten auf dem Boden.

Und natürlich, ganz selbstverständlich, ausschließlich Klamotten vom Teenager.

Als Mama fragt man sich dann manchmal, ob diese Dinge vielleicht nachts heimlich wandern.

Doch das eigentlich Faszinierende sind nicht die Klamotten.

Nein.

Es sind diese kleinen, geheimnisvollen Dinge, die plötzlich überall auftauchen.

Pickelpatches.

Diese kleinen, durchsichtigen Helferchen, die Teenager scheinbar mit einer beeindruckenden Präzision benutzen.

Sie kleben auf Spiegeln.
Auf Nachttischen.
Manchmal sogar auf dem Badezimmerschrank.

Und gelegentlich entdeckt man sie an Orten, an denen man sie wirklich nicht erwartet hätte.

Während Mama also im Badezimmer steht und versucht, mit Hyalurongel ihrer Haut etwas Gutes zu tun, wird im Teenagerzimmer ganz selbstverständlich gepatcht, gespachtelt und gepflegt.

Zwei Generationen.

Zwei völlig unterschiedliche Hautstrategien.

Und doch irgendwie das gleiche Ziel.

Früher war das alles einfacher.

Zumindest fühlt es sich heute so an.

Damals gab es Make-up.

Und das wurde… nun ja…

mit der Hand aufgetragen.

Ganz unkompliziert.

Heute dagegen wissen zwölfjährige Mädchen bereits ganz genau, wie man Foundation verblendet, welche Pinsel man benutzt und warum ein Beautyblender angeblich unverzichtbar ist.

Man steht daneben und denkt sich:

Wann haben sie das alles gelernt?

Und wann ist eigentlich die Zeit vergangen, in der sie noch kleine Dinge gesammelt haben?

Früher waren es kleine Figuren.

Oder Trolle mit bunten Haaren.

Manche sammelten sogar Schnuller, die man sich stolz an eine Kette hängen konnte.

Heute dagegen gibt es eine ganz neue Sammelleidenschaft.

Juicy Bombs.

In allen Farben.

In allen Geschmacksrichtungen.

Sie liegen im Bad, im Rucksack, auf dem Schreibtisch und manchmal auch irgendwo zwischen den Klamottenbergen.

Wenn man so darüber nachdenkt, treffen in diesen Momenten tatsächlich zwei Welten aufeinander.

Die Welt der Mama.

Und die Welt des Teenagers.

Die eine versucht, mit Hyalurongel kleine Fältchen zu besänftigen.

Die andere kämpft mit Pickelpatches gegen die kleinen Überraschungen der Pubertät.

Und irgendwo dazwischen liegt der ganz normale Familienalltag.

Voller Chaos.

Voller Unterschiede.

Aber auch voller kleiner Momente, über die man am Ende doch lächeln muss.

Denn vielleicht gehört genau das zu dieser besonderen Zeit im Leben.

Dass Generationen manchmal völlig unterschiedlich sind.

Und trotzdem irgendwie wunderbar zusammenpassen.

Und während irgendwo im Badezimmer wieder ein Pickelpatch auftaucht, den eigentlich niemand dort hingelegt hat, sitzt vielleicht ein kleiner Wichtel auf dem Regal, schüttelt schmunzelnd den Kopf und denkt sich:

„Menschen sind wirklich eine faszinierende Mischung.“

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Wenn die innere Chemieküche plötzlich neue Rezepte kocht

Es gibt Momente im Leben, in denen der Körper ganz still seine Arbeit macht.

Jahrelang läuft alles wie in einer gut organisierten Küche. Die Zutaten sind bekannt, die Abläufe eingespielt und die kleinen Helfer im Hintergrund wissen genau, was sie zu tun haben.

Auch in unserem Körper gibt es so eine kleine Chemieküche.

Dort arbeiten fleißige Helfer: die Hormone.

Man könnte sie sich vorstellen wie kleine Köchinnen und Köche, die ständig dafür sorgen, dass alles im Gleichgewicht bleibt. Sie regeln Stimmung, Schlaf, Energie, Körpertemperatur und noch viele andere Dinge.

Viele Jahre lang klappt dieses Zusammenspiel erstaunlich gut.

Doch irgendwann, meist ganz heimlich, beginnt die Küche sich zu verändern.

Ein paar der erfahrenen Köche ziehen sich langsam zurück. Andere sind plötzlich etwas durcheinander. Und manche Zutaten werden nicht mehr ganz so regelmäßig geliefert.

Bei manchen Frauen passiert das ganz sanft.

Die Küche räumt sich langsam um.

Bei anderen… nun ja.

Sagen wir es so:

Die Küchentür fliegt auf, ein Topf fällt um und plötzlich steht alles ein wenig Kopf.

So war es bei mir.

Mit 38 begann meine kleine innere Chemieküche plötzlich neue Rezepte auszuprobieren und zwar ohne mich vorher zu fragen.

Die liebevolle Köchin „Östrogen“ wurde etwas vergesslich. Ihr guter Freund „Progesteron“ tauchte nicht mehr ganz so zuverlässig zum Dienst auf.

Und während diese beiden versuchten herauszufinden, wie es weitergehen soll, liefen in der Küche plötzlich andere kleine Helfer wild durcheinander.

Da gab es zum Beispiel den kleinen Feuergeist, der plötzlich dafür sorgte, dass einem mitten im Raum warm wurde.

Oder den Nachtwichtel, der den Schlaf ein bisschen durcheinanderbrachte.

Und irgendwo dazwischen stand ich und dachte:

„Was passiert hier eigentlich gerade?“

Vor allem, wenn man mit Anfang vierzig plötzlich merkt, dass diese neue Phase schon begonnen hat.

Man hat doch gerade erst sein Leben sortiert.

Gerade erst gelernt, alles unter einen Hut zu bringen. Familie, Alltag, Gedanken.

Und plötzlich beginnt im Hintergrund eine ganz neue chemische Geschichte.

Jetzt, mit 42, merke ich noch einmal deutlicher, wie sehr diese kleine Küche manchmal ihr Eigenleben führt.

Es gibt Tage, da bin ich schneller gereizt, als ich es von mir kenne.

Kleinigkeiten reichen und innerlich geht sofort ein kleiner Topf über.

Das Verrückte daran ist:

Ich merke es. Ich weiß es.

Und trotzdem kann ich es nicht immer verhindern.

Es ist, als würde irgendwo im Hintergrund jemand die Gewürze falsch dosieren.

Ein bisschen zu viel Schärfe, ein bisschen zu wenig Gelassenheit.

Früher konnte ich vieles einfach wegstecken.

Heute springe ich manchmal schneller an, obwohl ich das eigentlich gar nicht möchte.

Also habe ich angefangen, mir kleine Gegenrezepte zu suchen.

Nach der Arbeit zum Beispiel versuche ich ganz bewusst, etwas zu finden, das mich entschleunigt.

Malen hilft mir dabei besonders.

Einfach Farben nehmen, ohne Plan, ohne Ziel.

Pinselstriche, die nichts müssen.

Gedanken, die dabei langsam leiser werden.

Es ist, als würde ich meiner inneren Küche sagen:

„Alles gut. Du darfst auch mal kurz Pause machen.“

Und manchmal klappt das erstaunlich gut.

… und manchmal eben auch nicht.

Vor allem dann, wenn meine pubertierende Tochter nach Hause kommt.

Mit ihrer ganz eigenen, geballten Mischung aus Gefühlen.

Mit dieser intensiven, ungefilterten Art, die wohl nur Teenager so perfekt beherrschen.

„Jungs sind doof.“

„Lehrer sind doof.“

„Alle Menschen sind doof.“

„Lernen sowieso.“

„Und überhaupt ist alles doof.“

Und während sie ihre Gedanken wie ein prall gefülltes Tablett bei mir abstellt, merke ich, wie meine eigene kleine Chemieküche kurz ins Wanken gerät.

Zwei Küchen.

Zwei Generationen.

Zwei völlig unterschiedliche Hormonrezepte und beide gerade nicht ganz im Gleichgewicht.

Manchmal prallen diese Welten aufeinander wie zwei Töpfe, die gleichzeitig überkochen.

Und dann stehe ich da, zwischen Verständnis und Überforderung, zwischen „Ich weiß genau, wie du dich fühlst“ und „Ich brauche gerade einfach fünf Minuten Ruhe“.

Doch vielleicht liegt genau darin auch etwas Verbindendes.

Denn so chaotisch sich diese Phase manchmal anfühlt, sie gehört zum Leben dazu.

Bei ihr beginnt etwas.

Bei mir verändert sich etwas.

Zwei Übergänge, die sich im Alltag begegnen.

Und vielleicht ist diese Zeit deshalb nicht nur anstrengend, sondern auch besonders.

Denn zwischen all dem Durcheinander entstehen auch Momente, in denen man sich gegenseitig versteht, ohne viele Worte.

Ein Blick.

Ein Seufzen.

Ein kleines Lächeln zwischendurch.

Natürlich gibt es Tage, an denen die kleine Chemieküche im Körper etwas chaotisch wirkt.

An denen nichts so richtig rund läuft.

Doch vielleicht gehört auch das ein bisschen dazu.

Denn das Leben verändert sich ständig.

Und genau wie in jeder guten Küche entstehen manchmal gerade aus den unerwarteten Zutaten die interessantesten Rezepte.

Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf der Fensterbank dieser inneren Küche, schaut den kleinen Hormonköchinnen beim Durcheinanderwirbeln zu und denkt sich schmunzelnd:

„Menschen sind wirklich eine faszinierende Mischung.“

Schön das du hier bist. 🩶

Wenn der Körper leise neue Wege geht

Es gibt Veränderungen im Leben, die kommen laut.
Kinder werden geboren.
Neue Wege beginnen.
Manchmal stehen wir an großen Kreuzungen unseres Lebens und wissen ganz genau: Jetzt beginnt etwas Neues.
Und dann gibt es Veränderungen, die kommen leise.
Fast unbemerkt.
Die Wechseljahre gehören für viele Frauen genau zu dieser Art von Veränderung.
Am Anfang merkt man vielleicht nur kleine Dinge.
Manchmal wird einem plötzlich warm, obwohl im Raum eigentlich alles ganz normal ist.
Manchmal fühlt sich der Schlaf anders an.
Und manchmal hat man das Gefühl, dass der eigene Kopf plötzlich ein bisschen mehr Gedanken gleichzeitig sortieren muss.
Bei mir begann diese leise Veränderung… gar nicht so leise.
Ich war 38.
Und plötzlich lagen da mehr Haare in meiner Bürste, als ich es gewohnt war.
Ich stand davor, schaute sie an und dachte:
„Das gehört jetzt aber nicht zum Plan.“
Auch die Nächte wurden anders.
Einschlafen war plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr.
Mein treuester Begleiter wurde ein kleines Melatoninspray, das ich fast schon liebevoll neben mein Bett gelegt habe.
Als würde es mir zuflüstern:
„Keine Sorge, ich helfe dir heute wieder.“
Und dann war da noch dieses neue… Schwitzen.
Ganz unerwartet.
Als hätte mein Körper beschlossen, alte Funktionen noch einmal ganz neu zu entdecken.
Und als wäre das nicht genug, meldete sich auch meine Haut zu Wort.
Ein Kribbeln.
Ein Jucken.
Manchmal fühlte es sich an, als würden kleine Ameisen unter der Haut spazieren gehen und dabei ihren ganz eigenen Weg suchen.
Ich erinnere mich, wie ich da saß und dachte:
„Was passiert hier eigentlich gerade?“
Der Körper verändert sich.
Und mit ihm auch ein Stück unseres Lebens.
Wenn man darüber nachdenkt, ist die Zeit dazwischen eigentlich gar nicht so lang.
Gerade erst ist man selbst erwachsen geworden.
Hat angefangen, sein Leben zu sortieren.
Hat Entscheidungen getroffen, eine Familie gegründet, Kinder bekommen.
Man hat das Gefühl, endlich angekommen zu sein.
Der Kopf denkt klarer, das Leben läuft in geordneten Bahnen.
Und plötzlich passiert etwas Unerwartetes.
Der Kopf wird manchmal wieder ein wenig verwirrt.
Gedanken springen durcheinander.
Der Körper sendet neue Signale.
Und man merkt, dass eine neue Lebensphase beginnt.
Früher wurde über diese Zeit kaum gesprochen.
Fast so, als wäre sie etwas, das man lieber still für sich behält.
Dabei gehört sie doch genauso zum Leben wie viele andere Phasen auch.
Vielleicht ist sie sogar eine Zeit, in der man sich selbst noch einmal ganz neu begegnet.
Eine Zeit, in der man merkt, dass sich Dinge verändern, aber auch, dass neue Gedanken entstehen.
Dass man manchmal ruhiger wird.
Nachdenklicher.
Vielleicht auch ein bisschen weiser.
Natürlich gibt es Tage, an denen alles ein wenig durcheinander wirkt.
Tage, an denen das eigene kleine „Hochspannungswerk“ im Kopf kurz einen Stromausfall hat.
Und an anderen Tagen denkt man sich:
„Heute läuft hier wieder alles ein bisschen anders.“
Doch vielleicht steckt auch darin eine Botschaft.
Dass wir nicht immer funktionieren müssen.
Dass wir uns selbst mit etwas mehr Geduld begegnen dürfen.
Und vielleicht sitzt irgendwo ein kleiner Wichtel auf einer Fensterbank, beobachtet das Ganze, sieht die Bürste mit den Haaren, das Melatoninspray auf dem Nachttisch und das kleine Hautkribbeln und denkt sich mit einem leisen Lächeln:
„Menschen verändern sich ständig… und genau das macht sie so besonders.“
Denn jede Lebensphase hat ihre eigene Magie.
Und manchmal beginnt eine neue Zeit genau dann, wenn wir lernen, die Veränderung einfach anzunehmen.

Schön das du hier bist 🩶